(Info und Anmeldung: mobil 0170 3813118)

Leitung: Michael Stoll

   

 schreiben

 

Die folgenden Text sind im Einzel - oder Gruppenarbeiten im Rahmen der Schreibwerkstätten entstanden:

 

Texte von "Lotusblüte" Y.Oe.


 

Teil A

 

Nach dem Gespräch. Nach dem Gang an den See.

Elfchen fließen aus dem Stift ins kleine Heft.

 

 

            

 

 

 

 

Teil B

 

Gedanken zeigen sich vor dem Mittag

Auf dem Spaziergang durch den Graben, durch den Stadtpark an den See und zurück, haben sich eine schwarze Feder und ein ovaler Stein gefunden. Die Feder stammt vielleicht aus dem Gefieder einer Amsel. Wie erfreut sie viele Menschen mit ihrem unkonventionellen Gesang. Auf dem Stein ist eine geschlossene Linie zu sehen. Diese Form ähnelt einem Wassertropfen oder einem Samen. Der eine verdunstet oder versammelt sich zu einem Schluck Wasser. Der andere verdorrt, oder findet Nahrung, Licht und Wasser. So kann er keimen und wachsen. Wer entscheidet?


Teil C

 

 

Gedanken formieren sich während der Mittagsruhe.


Als Elfchen.

 

Ich

ein
Same.

Was
verbirgst
noch ?

Ein
Baum
soll
wachsen.

Wurzelnd.

 

 

Aus meiner persönlichen Lebensgeschichte ab 19. Januar 2015

 

Die Entdeckung des DU’s - Das Lüften eines Geheimnisses

 

Ich fühlte mich wie neu geboren. Eine Neugeborene. Katapultiert in die Pubertät. Suchend. Fragend endlos. Nun an der Schwelle des Erwachsenseins. Nun - jetzt glaube ich.

Ich glaube, die Antwort in diesen vielen wunderbaren Du’s zu finden, denen ich dauern begegne, die mich bereichern. Diese Begegnungen sind viele Echos von mir, von meinem Wesen. Diese Erfahrungen kann ich nur immer wieder von neuem als Antwort vom DU sehen. Die Antwort vom DU, ist also das ICH (meine Person, mein Wesen). Ein beseeltes ICH, geschenkt und erhalten vom DU. In diesem kräftigen, schönen Körper, als Instrument zu leben. Leben unter vielen anderen Menschen, ebenso beseelt. Welch eine Freude zu leben und zu lieben, auszutauschen, zu geben und nehmen, zu dienen, die Talente einzusetzen. Dafür leben wir.

Ich bin nicht nur ein Echo. Sondern mein pures ICH ist die Antwort vom DU.
Das durfte ich seit dem Januar 2015 entdecken, erfahren: ein verfeinertes Konzentrat, ein kompromissloses ICH, ein ungeschminktes, unverfälschtes ICH.

So: Was hast DU noch vor mit mir? Wozu bin ich noch hier?
Was wird aus dem neuen Samen?
Zu was wird er werden?
Wird er zu dem, was er schon vorher zum Werden vorgesehen war?
Führe mich weiter. Ich bin auf dem Weg. Ich fühle mich getragen.
Meistens mutig, immer dankbar! Nie allein, denn DU bist da.

 

 



Texte von Ruth Ziegler im Verlauf der wöchentlichen Schreibwerkstatt:

 

 01. September


Ein Datum, das eine Wende bedeutet – so abrupt, wie eine Bahnhofsanzeige ihre Zahlen umklappt. Der erste September – das klingt, wie das Knirschen eines ankommenden Autoreifens in der Auffahrt. Erster September – und du kommst zurück. Zurück in die begrenzten Mauern deines Hauses, zurück unter deinen Scheitel, unter deine Schädeldecke. Zurück mit den Fußsohlen auf den Grund. Nach dem Urlaub, wo du verträumt an den Horizont blicktest, richten sich deine Augen nun wieder: Auf die Busfahrpläne, die Öffnungszeiten, die Preisschilder. Auch die Gestalten der anderen Menschen rücken wieder in dein Blickfeld. Du siehst Aktentaschen, Schulranzen, Turnbeutel. Du siehst Regenjacken, hochgeklappte Krägen, nasse Hosensäume. Du weichst der akustischen Symbiose von Reifen, Pfütze und Asphalt aus, du setzt deine Füße in Blätterverwehungen auf dem Bürgersteig. Erster September – und du betrachtest die unendlichen Fotografien erster Schulklassen – mit Schultüten, mit Schleifen – und du siehst sie förmlich vergilben, während sich auf den echten Gesichtern Linien bilden. Erster September – Und du drehst deiner Romanze den Rücken – einvernehmlich, schmucklos – Und kehrst zurück zu deiner Wenigkeit – in die Mauern deiner Behausung, in die Begrenzung deiner Haut. Du findest alte Bekannte wieder, längst vergessen geglaubte Begleiter: Die Scham, die Angst, den Schmerz, die Selbstsucht; und dich graut vor der langen Zeit bis es endlich wieder Mai wird - und du Freigang bekommst.

 

Ruth Ziegler, 01.09.2015

 

 

Bilanz

 

Ich kann
Von Glück sagen.

O ja, ich kann.

Ich bin so reich,
die andern sind so arm.

Ich habe zwei gesunde Kinder,
ich habe viel Platz
und viele Dinge,

viele Aufgaben,
viele Verpflichtungen,
viele unbeantwortete Fragen,
viele nagende Sorgen
viele verdrängte Gedanken
viele unbezähmbare Ängste.

Ich habe sehr viel Essen,
sehr viele Kleider.

Meine Eltern leben.
Mein Mann lebt.
Meine Freunde leben.

Meine Feinde leben.

Ich kann von Glück sagen –
O ja, ich kann.

Ich habe viel schlechtes Gewissen,
viele verpasste Chancen,
viele brachliegende Talente.

Ich kann von Glück sagen –
O ja, ich kann.

 

Ruth Ziegler, 01.09.2015

 

 

Kinder dieser Erde

 

Meine Hände zittern –
Ich strenge mich an,
damit meine Hände aufhören, zu zittern
wenn ich mein Kind bade.

Es soll sicher sein
und geborgen –
meine Hände sollen es halten,
damit ihm nichts geschieht.

Doch haben das nicht auch
all jene Mütter gedacht
die ihre Kinder mitnahmen
auf Boote auf dem Meer?

Sie haben es sicherlich gedacht –
Und dennoch sind sie ertrunken.
Die Mütter wie die Kinder.

Und ich kann kaum
solche Dinge denken,
da ich fürchte,
meine gesunden, heilen Kinder
mit jener Trauer und Verzweiflung
zu überschatten,
ich wage es kaum,
an ihre Zukunft zu denken:

wie kann ich euch die Erde
als schönen Ort vermitteln,
wie kann ich euch das Gute im Menschen einprägen,

wie kann ich es wagen,
über Kuhweiden und blühende Auen zu wandern?
Wie kann ich nur die Sorgen
eurer kleinen Kinderwelt
ernst nehmen,
angesichts des Elends auf der Erde?

Ein neuer Ausbruch teuflischer Macht scheint stattzufinden –
Herr, behüte uns und unsere Kinder.

Herr behüte alle Kinder
Dieser Erde.

 

Ruth Ziegler, 05.09.2015

 

 

 

Texte aus dem Tageskurs im Suso-Haus

"Wohin mich meine Sehnsucht trägt..."

am 14. März 2015

 

 

Was trägt?

 

Das Skelett

die dichteste Materie in mir

das Stein- und Erd- Verwandte

 

Das Blut

das Flüssigste in mir

das Wasser - Verwandte

 

Der Atem

das Unwillkürlichste in mir

das Luft- und Äther- Verwandte

 

Die Verdauung

das Energie Aufschließende

das Feuer - Verwandte

 

In allem webt der Geist Gottes

die Heilige Geistin, Ruach.

Die Liebe, die einströmen möchte,

Raum braucht

mich verbindet

 

Jeder Widerstand ist zwecklos

Ins Bodenlose sinken

Kapitulation

 

Glauben heißt

in den Abgrund springen

und darauf vertrauen,

dass ich getragen BIN

 

von Ursula

 

 

Wie?

 

Der Weg des Baches

zeigt es mir

Dem Lauf des Lebens

folgen,

hingegeben an das was

ist

In Stille und im Murmeln

offen sein für das was

ist

Mit sich einfach sein -

einfach sein

offen

verletzlich

ungeschützt

auch in der Trauer

um das, was noch nicht

ist

und doch so gerne da wäre

Ich bin

in der Einfachheit

des Herzens

jeden Augenblick

ein bisschen

mehr

 

Volker V.

 

 

Grünes Land

 

Aus der Dunkelheit der Straßenunterführung

im Stadtgraben

tönt es uns entgegen -

ein helles im Pulsschlag aufeinanderfolgendes <Ja, Ja, Ja!>.

 

 

Ein Kleinkind im Kinderwagen,

dick verpackt und angeschoben von seiner tief verschlossenen Mutter,

die starr und traurig nach vorne blickt.

 

 

Da zieht es vorbei, das Kind aus dem dunklen Tunnel;

<Ja, Ja, Ja!> ― im Spiel mit dem dröhnenden Nachhall der Röhre aus Beton.

 

 

Wir kommen aus der Sonnenhelle des Frühlingsstages,

seinen langsam frischer werdenden Farben

und dem Staunen über den schillernd-mäandrierenden Bachlauf neben dem Weg.

 

 

<Ja, Ja, Ja!> tönt es in uns nach - als wir in die Dunkelheit eintauchen.

<Ja, Ja, Ja!>, und es klingt wie ein erhaben-mutiges

 

 

<Trotz, Trotz, Trotz!>.

 

Michael S.